Neue Bootsführerschein-Prüfungen geplant
Neue Bootsführerschein-Prüfungen geplant
Wer schlau ist, macht jetzt noch zu den alten, einfachen Bedingungen seinen Bootsführerschein. Anfang 2009 hatte der damalige Bundesverkehrsminister Tiefensee eine Reform der Bootsführerschein-Prüfung angekündigt. Sie sollte eigentlich den Einstieg für angehende Wassersportler erleichtern, doch davon ist jetzt keine Rede mehr.
Bootsführerschein – demnächst Multiple Choice-Prüfung
Die Antworten sollten nicht mehr hingeschrieben, sondern nur noch angekreuzt werden – das klang gut. Auch sollte stets genau eine der vier angebotenen Antworten richtig sein, das hörte sich ebenfalls gut an. Doch der Haken: Die “falschen” Antworten sind auch richtige Antworten, nur bei anderen Fragen. Man muss also sehr genau die Frage und alle Antworten lesen. Man muss die Frage und die dahinter stehende Materie genau verstanden haben, um die Frage richtig beantworten zu können. Außerdem sollen alle vier Antworten gleich aussehen, sodass Personen mit einem fotografischen Gedächtnis keine Vorteile haben.
Bootsführerschein – nur Fragen lernen reicht nicht
Damit jemand die Fragen nicht nur auswendig lernt, werden in den Fragen und Antworten zahlreiche Fachbegriffe verwendet. Nur wer die Materie kennt, versteht den Text. Der Stoff soll gelernt werden – und nicht nur der Fragenkatalog. Zwar wird der Fragenkatalog um 87 Fragen gekürzt, doch diese Fragen verschwinden nicht, sie werden in der Navigationsprüfung gestellt. Per Multiple Choice sollen die Fachgebiete Seemannschaft, Schifffahrtsrecht und Wetterkunde geprüft werden, in diese drei Abschnitte wird der neue Fragenkatalog auch gegliedert.
Bootsführerschein – werden weiterhin die Fragebogen veröffentlicht?
Allerdings ist noch nicht entschieden, ob nur der Fragenkatalog veröffentlicht wird oder auch die Prüfungsfragebogen. Fest steht, dass es zukünftig nur noch 15 Fragebogen geben wird – heute sind es 20. Heute übt man alle 20 Fragebogen ein und geht sicher in die Prüfung. Das wird es demnächst wohl nicht mehr geben. Überlegt wird sogar, nicht einmal die Reihenfolge zu veröffentlichen, in der die Antwortvorschläge in der Prüfung präsentiert werden. Sogar personalisierte Prüfungsfragebogen sind im Gespräch. Wenn zwei Personen nebeneinander sitzen und beide die gleiche Frage beantworten, so ist bei einem zum Beispiel die erste Antwort richtig und beim anderen die dritte.
Bootsführerschein – Navigation wird erheblich schwerer
Wer meint, dass es schon nicht so schlimm kommen wird, soll sich warm anziehen, wenn es in die Navigationsprüfung geht. Sowohl der Umfang als auch die Schwierigkeit der Aufgaben sollen auf das Dreifache angehoben werden. Und es muss immer noch nach alter Sitte von Hand mit Bleistift in einer amtlichen Seekarte navigiert werden. Zwar breiten sich Navi-Systeme auf Booten und Yachten fast genauso rasant aus wie in Autos, aber der Gesetzgeber hat verfügt, dass die Sportschifffahrt weiterhin von Hand in einer Papier-Seekarte navigieren muss. Zudem müssen die Fragen beantwortet werden, die aus dem Multiple Choice Fragenkatalog gestrichen wurden. Fachleute sprechen schon von einem SKS-Schein im Kleinformat – in der SKS-Prüfung dauert allein die Navigationsprüfung 90 Minuten.
Bootsführerschein – heute eine Theorieprüfung, demnächst zwei
Im Multiple Choice-Fragebogen müssen voraussichtlich 95% aller Fragen richtig beantwortet werden und in der Navigationsprüfung 80%. Das verlangt volle Konzentration. Eine mündliche Nachprüfung wird es nicht mehr geben; wer das nicht schafft, ist durchgefallen. Die beiden Prüfungsteile – Multiple Choice Fragebogen und Navigationsaufgabe werden getrennt bewertet. Wer einen Teil nicht besteht, muss beide Teile wiederholen.
Bootsführerschein – für Prüfer kein Spielraum mehr
Heute entscheidet der Prüfer, ob eine Antwort richtig oder halb richtig ist und vergibt auch Teilpunkte. Bisher sind die Prüfer eigentlich immer großzügig gewesen; wenn der Prüfling den Sinn halbwegs erfasst, so bekommt er auch die volle Punktzahl. Selbst Fragen, die nicht mit Worten sondern mit einer kleinen Skizze beantwortet werden, gelten als richtig. Sogar wenn Antwortteile fehlen, wenn nur ein Stichwort passt, einen Punkt gibt es dafür immer noch. Das wird sich ändern. Zukünftig wird mit Schablone korrigiert; ein falsches Kreuzchen bedeutet null Punkte.
Bootsführerschein – die Praxis sollte wichtiger werden
Die Praxis sollte wichtiger werden; das war ein wichtiges Ziel der Reform gewesen. Aber was ist daraus geworden? Statt Anlegen oder Ablegen wird bald Anlegen und Ablegen geprüft. (Schon jetzt muss man beides können, weil ja nicht bekannt ist, was geprüft wird.) Und statt fünf Seemannsknoten müssen demnächst sechs vorgemacht werden.
Bootsführerschein Binnen – weniger Fragen
Der heute gültige Fragenkatalog für den Bootsführerschein Binnen umfasst in der Motorversion 400 Fragen; für Segler kommen noch einmal 93 Fragen hinzu. Hier soll abgespeckt werden. Zur Diskussion stehen 129 Fragen für Motorbootfahrer und noch einmal 30 Fragen für Segler. Aber das ist nur ein Vorschlag, entschieden worden ist noch nicht. Wer die Materie kennt weiß, dass der Stoffkatalog beim Bootsführerschein Binnen viel kleiner ist als beim Bootsführerschein See. See und Binnen unterscheiden sich heute vor allem dadurch, dass in der Seeschein-Prüfung jedes Thema mit einer Frage abgehandelt wird, während in der Binnen-Prüfung zu jedem Thema drei, vier fünf oder mehr Fragen existieren. Zudem werden Binnen völlig banale Dinge abgefragt – zum Beispiel dass man beim Bootfahren volle Rundumsicht haben muss. Gut wenn hier einmal aufgeräumt wird.
Bootsführerschein – keinerlei Vorschriften für die Ausbildung
Gut ist ebenfalls, dass es auch zukünftig keine Regulierung bei der Ausbildung geben wird. Wie sich ein Prüfling auf die Prüfung vorbereitet – per Online-Kurs, Buch oder klassischen Lehrgang –, bleibt ihm überlassen. Auch bei der praktischen Ausbildung wird weder eine Pflichtstundenzahl eingeführt noch ein Ausbildungsnachweis. Das ist beschlossene Sache. Die Ausbildung wird also nicht teurer.
Bootsführerschein – wann tritt die Reform in Kraft?
Wann die Pläne umgesetzt werden, ist das große Geheimnis. Der 1.10.2010 kann wohl ausgeschlossen werden. Aber die Vorbereitungen waren am Ende des 3. Quartals 2009 schon sehr weit gediehen. Vermutlich zum 1.1.2011 muss mit den neuen “vereinfachten und mehr praxisorientierten” Prüfungen gerechnet werden. Wenn nicht, wäre auch ein Termin im Laufe des Jahres 2011 möglich. Dann wird es wohl eine Übergangsfrist geben, in der Prüflinge, die noch die alten Fragen gelernt haben, sich auch noch nach dem alten Verfahren prüfen lassen können.
Zwei Bootsführerscheine
Um ein Boot, sei es ein Segel- oder ein Motorboot, zu führen, wird der amtliche Bootsführerschein See oder der amtliche Bootsführerschein Binnen benötigt.
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